Joseph Roth: Hiob (1930) Reclam 2012, S.138f.

Hiob

…Er ging in die Küche, raffte Zeitungspapier und Kienspäne zusammen und machte ein Feuer auf der offenen Herdplatte. Als das Feuer eine ansehenliche Höhe und Weite erreichte, ging Mendel mit starken Schritten zum Schrank und entnahm ihm das rotsamtene Säckchen, in dem seine Gebetriemen lagen, seit Gebetmantel und seine Gebetbücher. Er stellte sich vor, wie diese Gegenstände brennen würden. Die Flammen werden den gelblich getönten Stoff des Mantels aus reiner Schlafwolle ergreifen und mit spitzen, bläulichen, gefräßigen Zungen vernichten. Der glitzernde Rand aus silbernen Fäden wird langsam verkohlen, in kleinen rotglühenden Spiralen. Das Feuer wird die Blätter der Bücher sachte zusammenrollen, in silbergraue Asche verwandeln, und die schwarzen Buchstaben für ein paar Augenblicke blutig färben. Die ledernen Ecken der Einbände werden emporgerollt, stellen sich auf, wie seltsame Ohren, mit denen die Bücher zuhören. was ihnen Mendel in den heißen Tod nachruft. Ein schreckliches Lied ruft er ihnen nach: “Aus, aus aus ist es mit Mendel Singer”, ruft er und mit den Stiefeln stampft er den Takt dazu, daß er die Dielenbretter dröhnen und die Töpfe an der Wand zu klappern beginnen. “Er hat keinen Sohn, er hat keine Tochter, er hat kein Weib, er hat keine Heimat, er hat kein Geld”. Gott sagt: ich habe Mendel Singer gestraft; wofür straft er, Gott? Warum nicht Lemmel, den Fleischer? Warum strafte er nicht Skowronnek? Warum straft er nicht Menkes? Nur Mendel straft er! Mendel hat den Tod, Mendel hat den Wahnsinn, Mendel hat den Hunger, alle Gaben Gottes hat Mendel. Aus, aus, aus ist es mit Mendel Singer”…

About Der Landstreicher

Ιδού η αληθινή Ταϊτή, δηλαδή: πιστά πλασμένη με τη φαντασία μου. (Πολ Γκογκέν και Σαρλ Μορίς)............... Είμαστε εμείς οι ονειροπαρμένοι τρελλοί της γης με τη φλογισμένη καρδιά και τα έξαλλα μάτια. (Γιώργος Μακρής).............. Und wollt ihr wissen, wer ich bin, ich weiß es selber nicht, ich irre so durchs Leben hin, weiß nicht, wo ich zu Hause bin und will es wissen nicht. (Landstreicherlied, Arnold Waldwagner)...........

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