Elisabeth Zoeller: Wir tanzten nicht nach Fuehrers Pfeife (Hanser, 2012, S. 297)

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Paul spannte einen Bogen Papier in die Adler und begann:

“Eine Zeit lang habe ich gedacht, es sei eine wundervolle Idee, einfach zu verschwinden. Wegzugehen. Dafuer gibt es immer gute Gruende und – glaub mir – ich bin ein Experte im Weggehen. Zack, und das ist jetzt fuer dich und fuer alle, die noch Traeume haben und wissen, was Sehnsucht ist: Vielleicht macht uns dieser Scheisskrieg ja zu besseren Menschen, weil wir lernen, die Dinge zu achten, die uns geblieben sind.
Das hast du zu mir gesagt, Zack. wir sassen an der Wand des Takubunkers und der Beton gab die Waerme der Sonnenstrahlen ab. Auch noch, als sie sich laengst hinter den Horizont verzogen hatten. Jeden Tag riskieren wir es, umgebracht zu werden oder jemanden umzubringen. Irgendwann gefaellt uns die Dunkelheit und die Kaelte und wir richten uns behaglich darin ein. Ich habe, als mir der Tod sehr nahe war, neben dir an dieser Wand gesessen und dich fuer einen Spinner gehalten und dieser Edelweisspiraten fuer Traeumer.
Aber heute weiss ich. Wir muessen Traeumer sein, weil die Wirklichkeit sich zur Hoelle verwandelte und wir darin zu Tieren geworden waeren. Wir sind keine Tiere geworden. Wir haben nicht mitgemacht. Auch wenn unser Kurs manchmal schlingerte. Aber wir sind unseren Zielen treu geblieben. Wir haben die Menschen und die Menschlichkeit weiter geachtet.
Und trotzdem. Manchmal muessen Dinge getan werden. Weil sie eine Geschichte abschliessen. Weil wir nur so unseren Frieden finden koennen.
So etwas werde ich jetzt tun. Weil ich kein mitleidloses Tier auf die Strasse bin. Und dann – so Gott will – werde ich nicht weggehen, sondern bleiben. Und ein gutes Leben fuehren”.

Paul stand auf, schob den Stuhl an den Tisch und liess die Maschine so stehen, wie sie war. Er zog die Jacke und schob die Luger in den Hosenbund im Ruecken. Wenn Fatz recht hatte, musste es heute etwas unternehmen. Genau heute!

About Der Landstreicher

Ιδού η αληθινή Ταϊτή, δηλαδή: πιστά πλασμένη με τη φαντασία μου. (Πολ Γκογκέν και Σαρλ Μορίς)............... Είμαστε εμείς οι ονειροπαρμένοι τρελλοί της γης με τη φλογισμένη καρδιά και τα έξαλλα μάτια. (Γιώργος Μακρής).............. Und wollt ihr wissen, wer ich bin, ich weiß es selber nicht, ich irre so durchs Leben hin, weiß nicht, wo ich zu Hause bin und will es wissen nicht. (Landstreicherlied, Arnold Waldwagner)...........

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