Reinhard Florian-Ich wollte nach Hause, nach Ostpreußen! Das Überleben eines deutschen Sinto (2012, Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, S.69)

Und dan wurden wir tatsächlich befreit, und ich lag im Bett. Und auf einmal guckte ich, da war keiner mehr in der Baracke. Kein Mensch mehr! Von draußen hörte ich daw “Hurray, Hurray”.Ιn dem Moment, als die Rettung endlich da war, das wovon ich jahrelang geträumt hatte -befreit zu werden, da ist plötzlich der Wille zum Überleben nicht mehr da. Ich war völlig fertig in jeder Hinsicht – körperlich, seelisch, moralisch. “Hurray, hurray”, tönte es von draußen. Manche zogen sich bei der Ankunft der Amerikaner sofort nackt aus. Sie wollten, dass sie schnell begriffen, welche Situation hier vorherrschte. Aber das sah man doch ohnehin… Mich ekelte es an, sein Leid so zur Schau zur stellen. “Donnerwetter, jetzt hast du so lange überlebt und nun wo der Ami da ist sollst du sterben? MEnsch Florian, reiß dich zusammen!”, sagte cih zu mir. Ich begann, Selbstgespräche zu führen, und konnte mich selbst nicht mehr verstehen. “All die Jahre hast du dich so tapfer gehalten, und jetzt wo die Amerikaner eintreffen, kommst du aus dem Bett nicht raus? Das kann doch nicht sein!” Das war eine ganz schwere Situation, dieses Gefühl der Unentschlossenheit und der Lähmung. Ich denke, das ist wohl der extreme Hunger, der da irgendetwas im Gehirn anrichtet. Ein Europäer weiß heutzutage nicht mehr was Hunger bedeutet. Gott sei Dank, dass das so ist. Heute habe ich vielleicht mal Appetit oder wenn ich drei Tage nichts gegessen habe, habe ich großen Appetit, aber wenn ich monate- oder jahrelang mit einer Minimalzufuhr an Nahrung auskommen musste…

florian_nach-hause

Was unter solchen Umständen möglich ist… einmal saß ich halb liegend, halb gestützt, so wie es irgendwie es auszuhalten war, denn wenn man kein Gefäßfleisch mehr hat, ist das Sitzen ein Problem, und beobachtete ein paar Russen. Die hatten auch solche angeschliffenen Löffel, wie wir sie in Gusen als Messer benutzt hatten. Damit schnitten sie Stücke von einem Toten ab, streuten etwas Salz, sas sie noch bei sich hatten, darauf und aßen das. Dabei war an dem Toten ach gar nichts mehr dran, da war kaum etwas runterzuschaben. Das waren ganz normale Männer, mit Sicherheit keine Kannibalen, Perversen oder Monster…

About Der Landstreicher

Ιδού η αληθινή Ταϊτή, δηλαδή: πιστά πλασμένη με τη φαντασία μου. (Πολ Γκογκέν και Σαρλ Μορίς)............... Είμαστε εμείς οι ονειροπαρμένοι τρελλοί της γης με τη φλογισμένη καρδιά και τα έξαλλα μάτια. (Γιώργος Μακρής).............. Und wollt ihr wissen, wer ich bin, ich weiß es selber nicht, ich irre so durchs Leben hin, weiß nicht, wo ich zu Hause bin und will es wissen nicht. (Landstreicherlied, Arnold Waldwagner)...........

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